Feuchttücher: Problemstoff Nummer 1 im Kanal

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(Foto: gsa_denkklobal-stmk)

Das Kanal- und Abwassernetz hat einen neuen Feind: Sie sind zart zur Haut, jedoch besonders hart für die Abwasserinfrastruktur ... Die Rede ist von achtlos ins Klo geworfenen Feuchttüchern. Durch die oft reißfeste Beschaffenheit vieler dieser Produkte lösen sich diese nicht oder nur sehr langsam im Abwasser auf. Zusammengeballt in Rohrdurchführungen oder ineinander gezwirbelt durch Pumpen (siehe Bild) und Kanalrechen bilden sie oft meterlange textile Zöpfe, die Kanäle verstopfen und Pumpen ruinieren. Da Konsum und Anwendung dieser Hygieneartikel ansteigen, verursachen sie – artfremd entsorgt – mittlerweile enorme Schäden für kommunale Abwassernetzbetreiber. 

Rund 1.200 LKW-Fuhren an Fehlwürfen werden allein in der Steiermark jährlich widerrechtlich und sorglos über den Kanal „entsorgt“. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 16 Millionen Euro, schätzt die Gemeinschaft Steirischer Abwasserentsorger (GSA). Handelsübliche Feuchttücher bilden einen erheblichen Anteil dieser Fehlwürfe. „Sie stellen für die Kanal- und Kläranlagenbetreiber ein besonderes Problem dar, weil sie – je nach ihrem jeweiligen Kunstfaser-Anteil – sehr reißfest und nicht biologisch abbaubar sind“, betont die GSA nun erneut, allen voran ihr Obmann Franz Hammer. Feuchttücher verursachten Verstopfungen in Pumpwerken sowie Beriebsstörungen in vielen Kläranlagen. Alle Kanal- und Kläranlagenbetreiber seien mit diesem Problem konfrontiert. Trotz vieler Informationskampagnen landeten sie weiterhin im Kanal und führten zu hohen volkswirtschaftlichen Kosten.

Die GSA hat daher mit Unterstützung des Landes Steiermark, des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus

und der Firma Saubermacher bei der Montanuniversität Leoben die Studie „Analyse und Verbleib von Feuchttücher-Abfall in der Kanalisation“ beauftragt. Sie stellt nach gegenwärtigem Wissensstand eine einzigartige wissenschaftlich fundierte Arbeit zu dieser weltweit relevanten Problematik dar. Ein Ergebnis der Studie zeigt die wesentlichen Ursachen für die von den Feuchttüchern ausgehenden Probleme auf: Diese liegen nämlich hauptsächlich in den bei ihrer Erzeugung verwendeten Ausgangsmaterialien: je höher der Kunstfaser-Anteil bei den Trägermaterialien desto reißfester und weniger abbaubar sind die Produkte, so die Studie. Nach eingehender Analyse der im Rechengut mehrerer steirischer Kläranlagen gefundener Feuchttücher wurden drei unterschiedliche Gruppen von Feuchttüchern – von abbaubar bis nicht abbaubar – definiert. Gleichzeitig wurden aber auch ganz unterschiedlichste Verwendungszwecke dieser Produkte erkannt, wie zum Beispiel Euterreinigungstücher aus der Landwirtschaft.

Wie geht es weiter in der Causa Feuchttücher? Das derzeit dazu diskutierte Maßnahmen-Paket in Europa ist noch wenig konkret: es reicht von einem angedachten Verbot von Feuchttüchern in Großbritannien bis zum Vorschlag einer verpflichtenden Kostenbeteiligung der Erzeuger für die Entsorgung im Rahmen der Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Aber auch zahlreiche Pumpenhersteller und Anbieter von klärtechnischen Lösungen haben sich dem Problem bereits angenommen: Spezielle Pumpen mit „großen freien Durchgängen für Feststoffe“ können dabei verstopfungskritische Elemente passieren lassen oder neu entwickelte Zweiwellen-Zerkleinerer sind in der Lage sämtliche Hygieneartikel im Klärwerkseingangsbereich zu zerteilen und auf kleinste Größe zu häckseln. Auch diese technischen Lösungen jedoch bedeuten wieder Investitionen und damit erhöhte kommunale Kosten.

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