Eine Stadt als Schwamm

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Neben zunehmenden Starkniederschlägen werden auch lange Hitzeperioden eine immer größere Herausforderung für die Siedlungswasserwirtschaft in Großstädten. Internationale Städteplaner bringen zur Lösung dieser beiden Probleme nun immer häufiger das Konzept der „Sponge-City“,

oder Schwammstadt, ins Spiel. Zahlreiche Verdunstungs- und Versickerungsflächen führen dabei zur verzögerten und gedrosselten Ableitung der Niederschläge und schaffen eine natürliche standortbezogene Wasserbilanz, wodurch auch das Stadtklima verbessert wird.

(Fotos: Ramboll Studio Dreiseitl)

Die steigende Zahl an Starkregen und Hitzewellen macht den Klimawandel für alle am eigenen Leib spürbarer. Besondere Auswirkungen aber haben die häufigeren Extremwetterereignisse auf die Lebensbedingungen und Infrastrukturen in Städten. Sturzfluten und Hitze in urbanen Zentren sind mittlerweile eine akute Bedrohung. Neben dem Klimawandel haben sie aber noch eine zweite gemeinsame Ursache: Die über Jahre gewachsene Flächenversiegelung und die unterirdische Wasserinfrastruktur, die vorwiegend auf „schnelles Ableiten“ ausgerichtet ist. Dieser Zustand widerspricht dem einer natürlichen Fläche, wo Wasser langsam verdunstet und versickert, vollkommen. Bei Starkregen resultiert  Hieine Überlastung der städtischen Kanalnetze. Bei wärmeren Phasen führt die Ableitung allen Wassers zu urbanen Hitzeinseln. 

Eine Lösung für beide Probleme könnte nun das Konzept der Schwammstadt, oder „Sponge City“, bieten, wie auch auf der Umwelttechnikmesse IFAT 2018 in München häufig thematisiert wurde. In einer Schwammstadt nimmt die Stadtinfrastruktur Niederschlagswasser in dafür vorgesehenen Flächen auf, bevor sie diese ableitet. Sie imitiert den natürlichen Wasserkreislauf und fördert in dicht besiedelten Gebieten eine erhöhte Verdunstungskühlung. Zu den städteplanerischen Elementen dieses Schwamm-ähnlichen Konzepts gehören die Entsiegelung von Flächen, die Verwandlung von Parks, Plätzen oder ausgewählten Straßen in Wasser-Zwischenspeicher und die Dachbegrünung. Die Lösungsmöglichkeiten sind vielfältig, wie Landschaftsarchitekt und

Schwammstadt-Experte Gerhard Hauber vom deutschen Planungsbüro Ramboll Studio Dreiseitl betont. Bautechnologische Maßnahmen könnten einfachsten Prinzipien folgen, wie Vertiefungen in Rasenflächen oder breiteren Rinnen bei Straßenzügen. „Wo aber wenig Platz vorhanden ist, werden sicher auch Technologien, wie Filterschächte, Rigolensysteme (unterirdische Speicher), Methoden zur Dachbegrünung oder aktiven Verdunstung benötigt werden“, so Hauber. Wenn man eine gesamte Stadt als „Sponge City“ konzeptionieren möchte, sei es zudem notwendig auf smarte Technologie zu setzen und mit Hilfe von Messsystemen und Vorhersagemodellen alle Möglichkeiten der eigenen Wasserinfrastruktur zu kombinieren, meint der Städteplaner. 

(Fotos: Ramboll Studio Dreiseitl)

Schon heute gibt es interessante Umsetzungen der „Schwammstadt-Vision“. Die chinesische Hafenstadt Tianjin (südlich von Peking - Bild siehe oben) etwa hat ein 90 Hektar großes Grundstück, das verbaut werden sollte, im Sinne einer Schwammlösung geplant. Vom restlichen Abwassernetz abgekoppelt wird hier nun das gesamte Regenwassermanagement lokal vollbracht. Auch die dänische Hauptstadt Kopenhagen, die in den letzten Jahren besonders von Überflutungen betroffen war, setzt mittlerweile voll auf die Schwamm-Strategie. Parks, Straßenränder oder Brachen wurden gezielt als Retentionsareale installiert. „Heute wird in Kopenhagen bei jedem einzelnen Bauprojekt vorgegeben, wie viel Wasser auf der bebauten Grundstücksfläche zurückgehalten werden muss“, schildert Hauber (siehe Bild). Die Kosten für diese Maßnahmen seien dabei um ein Vielfaches geringer, als „Lösungsmöglichkeit Zwei“: eine Neudimensionierung der gesamten Kanalnetze.  

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