Kunststoffmüll wird zu neuem Treibstoff

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Die neue OMV ReOil Recyclinganlage gewinnt aus Altkunststoffen synthetisches Rohöl. Aus rund 100 Kilogramm Verpackungsmaterial produziert die Pilotanlage 100 Liter Rohöl pro Stunde. „Mit dieser Technologie ist es möglich, dass ein Fass Öl mehrfach verwendet wird“, sagt Manfred Leitner, OMV Vorstandsmitglied Downstream.“ Dadurch werden weniger Altkunststoffe

verbrannt und Treibhausgase reduziert.“ Im Rahmen der 60 Jahr-Feier in der Raffinerie Schwechat präsentierte die OMV den Grundstein für eine innovative Zukunft, die ReOil Altkunststoff-Recyclinganlage. In der Pilotanlage wird durch ein thermo-chemisches Verfahren aus Kunststoffabfällen synthetisches Rohöl hergestellt. 

 

Der Recyclingprozess beruht auf thermischem Cracken bei über 300 Grad Celsius. Dabei handelt es sich um eine bewährte Raffinerie-Technologie, die mittel- und langkettige Kohlenwasserstoffe in kurzkettige aufspaltet. Basis dieser Kreislaufwirtschaft ist ein chemischer Kreislauf: Aus kurzkettigem Öl werden langkettige Kunststoffe erzeugt, die durch das ReOil-Verfahren wieder zu kurzkettigem Öl werden. In der Theorie klingt das relativ einfach, aber die Praxis hat es in sich. Vor allem muss die nötige Wärme von 400Grad Celsius in den schlecht wärmeleitenden Kunststoff eingebracht werden. Am Erhitzen des Kunststoffabfalls führt auch bei ReOil kein Weg vorbei. Aber dabei kommt nun ein flüssiges Lösungsmittel ins Spiel, das gleich zwei Probleme löst, wie der OMV-Techniker Wolfgang Hofer erklärt: „Das Lösungsmittel befindet sich in der Anlage in einem Kreislauf, ist also bereits heiß. Es wird gleich am Anfang des Prozesses mit dem Kunststoff vermischt, unterstützt das Erhitzen und senkt durch verbesserten Wärmeübergang die notwendige Energie. Außerdem wäre die reine Kunststoffmasse zu zäh für den Transport durch die Rohre. Durch das Beimengen des Lösungsmittels haben wir auch dieses Problem im Griff.“ 

Fotos: OMV AG

2010 hatte Hofer die zündende Idee, wie man hochwertiges Öl effizient aus dem Kunststoff gewinnen kann. Sein Team konnte mit der Anlage nach drei Jahren Forschung so gute Resultate nachweisen, dass die Ziele ambitionierter wurden. Im Jahr 2013 ging die erste Versuchsanlage mit einer Verarbeitungskapazität von zirka fünf Kilogramm pro Stunde Altkunststoffen in der Raffinerie Schwechat in Betrieb. Die nächstgrößere Testanlage – mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 100 Kilogramm pro Stunde – wurde nun 2018 in Betrieb genommen und produziert daraus 100 Liter synthetisches Rohöl pro Stunde. Dieses wird in der Raffinerie Schwechat zu Treibstoffen beziehungsweise anderen Grundstoffen der Kunststoffindustrie weiterverarbeitet. So entsteht eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Michael Fadler, verantwortlich für den Betrieb, meint: „Wir bekommen hier am Ende ein so sauberes, hochwertiges Produkt, dass man es mit dem besten Rohöl vergleichen kann.

 

 

Für den gesamten Prozess hält die OMV in Europa, den USA, Russland, Australien, Japan, Indien, China und vielen weiteren Ländern das Patent. Die OMV investierte dabei in das gesamte Projekt rund zehn Millionen Euro, wobei von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft zehn Prozent der Kosten übernommen wurden. Das Recyclingverfahren ist bereits vollständig in die Abläufe der Raffinerie eingebunden und das Forschungsteam hat mit der Planung für eine nächstgrößere Anlage bereits begonnen. (omv.com) 

 

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