Mit „Rainman“ gegen Hochwasser und Co

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In einem aktuellen EU-Pilotprojekt erstellen internationale Experten in den nächsten Jahren Hochwasserstrategien und -konzepte für Großstädte. Graz ist einer der Erhebungsstandorte.

Foto: interreg-central.eu(Foto: BMNT - Alexander Haiden)

Aufgrund des stetig voranschreitenden Klimawandels ist in Zukunft vermehrt mit gravierenden Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität von Starkregenereignisse zu rechnen. Auch im jüngsten IPCC-Bericht (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird betont, dass auf Grund der Klimaerwärmung in Mitteleuropa eine Zunahme an extremen Wetterereignissen bevorsteht. Da die Vorhersage und Warnung vor Sturzfluten sehr schwierig ist, rückt die Gefahr vor Naturkatastrophen und die dadurch verursachten Schäden immer mehr in den Fokus der Forschung und des öffentlichen Interesses.

In den letzten Monaten war insbesondere die Steiermark betroffen durch schwere Stürme, die in ihrer Intensität nicht prognostiziert waren. Sie verursachten enorme Schäden und forderten sogar ein Todesopfer. Trotz der Häufigkeit in diesem Frühjahr sind sie jedoch laut Experten als außergewöhnlich einzustufen. Nur zum Vergleich: In der Stadt Graz gab es in Summe bis jetzt nur etwa 500 Unwettereinsätze. Dennoch ist es notwendig präventive Konzepte zu überdenken. „Der

Siedlungsdruck, der Ausbau des Verkehrsnetzes aber auch die immer dichtere Verbauung von Grünflächen führt unweigerlich dazu, dass die Stadt Graz und Umgebung dem erhöhten Risiko eines hundertjährlichen Hochwassers ausgesetzt wird“, betont etwa der zuständige Landesrat Johann Seitinger. „Daher müssen wir bereits im Vorhinein in der Lage sein, Hochwasserrisiken in Verbindung mit Starkregenereignissen zu erkennen, um weitreichende Schäden zu vermeiden.“

Um Städte im Kampf gegen Stutzfluten und Co zu unterstützen, wurde das EU-Projekt „Rainman“ ins Leben gerufen. Hier sollen innovative Methoden und neue Werkzeuge entwickelt werden, um das Gefahrenpotenzial von Starkregen zu minimieren. Ende 2019 soll ein Katalog an Maßnahmen vorliegen, den Entscheidungsträger auf ihre jeweilige regionale Situation anwenden können. Im Rahmen eines zweitägigen Workshops wurden nun auch in Graz Handlungsempfehlungen für Gemeinden und Verwaltungsdienststellen entwickelt. Eine neue Toolbox liefert dabei Unterstützung für die Bewertung und Kartierung von Starkregengefahren und Risiken, bei der Auswahl und Umsetzung passender Maßnahmen zur Risikoreduzierung oder bei der Entwicklung von Warn- und Notfallsystemen. An „Rainman“ sind insgesamt zehn

Partner aus sechs Mitgliedstaaten der Europäischen Union beteiligt. Es werden sieben Pilotstudien durchgeführt – eine davon ist in Graz. „Insgesamt werden bei dem Projekt Analysen durchgeführt, um herauszufinden, wie gut die Gemeinden und Städte auf Starkregenereignisse vorbereitet sind“, erklärt Riku Reinhard Vogt, langjähriger Leiter der Hochwasserschutzzentrale in Köln. „Dabei geht es konkret um Fragen der Bauvorsorge, der Informationsweitergabe an die Bevölkerung, der Warnung vor Wetterextremen, der Eigenvorsorge an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, und vieles mehr.“ Diese Analysen würden sowohl in Hinblick auf Hochwasser als auch Starkregen durchgeführt. „Dadurch werden Gemeinden und Städte besser auf solche Gefahren vorbereitet“, ist sich Reinhard sicher.

Das Projekt Rainman wird vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie geleitet. Neben dem Umweltbundesamt beteiligen sich das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sowie die Ämter der Landesregierungen von Oberösterreich und der Steiermark am Projekt. Es wird durch das Interreg Central Europe Programm gefördert.

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