Ing. Thomas Stangl

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In diesem Teil der Experteninterviewserie wurde mit Ing. Thomas Stangl, Geschäftsführer und Miteigentümer derIng. Rudolf Duschek GmbH gesprochen.

Die Firma Duschek wurde 1926 von Herrn Ing. Rudolf Duschek in Wien gegründet und ist in den Bereichen Wärme-, Kälte- und Schallisolierungen, Brandschutz, Innenausbau und Kessel- und Öltankreinigung tätig. Derzeit ist die Firma Duschek mit den Standorten Wien, Graz, St. Pölten österreichweit vertreten. 2004 wurde die erste Auslandsniederlassung in Kroatien gegründet. Weitere Auslandsaktivitäten befinden sich aktuell in Deutschland, Tschechien und Rumänien und werden von Österreich aus geleitet.

Wo liegen die Hauptaufgabengebiete der Duschek GmbH?

Die Tätigkeitsbereiche der Duschek GmbH liegen einerseits in der Isolierung von Leitungen gegen Wärme- und Kälteverlust, die von Installateuren verlegt werden. Dazu zählen Heizungsleitungen,  Sanitärleitungen, Kälteleitungen oder Lüftungskanäle. Andererseits sind wir im Bereich des Brandschutzes aktiv. Im Wesentlichen übernehmen wir die ausführenden Handwerksarbeiten, eine intensive Zusammenarbeit mit dem Planungsverantwortlichen ist aber unumgänglich.

Welche Branchen/Industrien bieten das höchste Potenzial für Maßnahmen im Bereich der Wärme- und Kältedämmung?

Neben dem Wohnbau spielen Dämmmaßnahmen in der Industrie eine wichtige Rolle. Prinzipiell sind entsprechende Maßnahmen von allen Unternehmen zu setzen, die in irgendeiner Form Energie, sei es in Wärme- und/oder Kälteleitungen, transportieren. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Dampfleitungen, die eine entsprechende Isolierung benötigen. Beispiele sind die holzverarbeitende Industrie, die mit großen Dampfmengen arbeitet, oder Industriebereiche, die konditionierte Luft alsEnergieträger verwenden. Ein weiterer Einsatzbereich von unseren Dienstleistungen ist bei Betrieben, die vorhandene Abwärme mit möglichst geringen Verlusten abschöpfen und über einen Wärmetauscher wieder zurückgewinnen. Dabei gibt es schon auch Bereiche der großindustriellen Anlagen mit Heizkanälen von zwei Metern Durchmesser und mehr.

Unser Kundenkreis gliedert sich etwa zu gleichen Teilen in Wohnbau und Industrie auf. Weiters werden Dämmmaßnahmen sowohl im Neubau als auch bei Sanierungsprojekten durchgeführt. Hier überwiegen allerdings die Neubauten bzw. industriellen Neuanlagen.

(c)iStockPhoto/Natalia SilychEin Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Kältedämmung. Vor allem im Bürobau finden Klimaanlagen immer häufiger Anwendung, eine entsprechende Isolierung ist für einen effizienten Betrieb notwendig. Aber auch in der Prozesstechnik werden Kälteprozesse häufiger. Neben der Energieeinsparung liegt bei der Kältedämmung ein wesentlicher Fokus auf der Vermeidung von Kondenswasser zum Schutz des Rohrers vor Rost. Darüber hinaus ist die Herstellung von Kälteenergie in der Regel teurer als Wärmeenergie und deshalb Effizienzbestrebungen umso wichtiger.

Was sind die Beweggründe der Industrie, Dämmmaßnahmen durchzuführen?

Einerseits spielen die Auflagen des Arbeitsinspektorats eine entscheidende Rolle, da gewisse Anlagentemperaturen vorgegeben werden, die aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden dürfen. Andererseits sind selbstverständlich potenzielle Energieeinsparungen die Motivationsgrundlage für Unternehmen, Leitungen zu dämmen und Wärme bzw. Kälte effektiv zurückzugewinnen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Energieeinsparung aufgrund des wirtschaftlichen Nutzens im Vordergrund steht und die Erfüllung der arbeitsrechtlichen Auflagen in vielen Fällen als positiver, notwendiger Nebeneffekt gesehen wird.

Erfolgt ein Monitoring der Maßnahmen nach erfolgter Umsetzung?

In den meisten Fällen ja, die Unternehmen sind sehr an der Wirksamkeit ihrer Maßnahmen interessiert. Ein namhafter Ziegelhersteller beispielsweise hat ein umfassendes Monitoringsystem ihrer umgesetzten Energieeffizienzmaßnahmen etabliert. In vielen anderen Fällen werden seitens des Auftraggebers gemeinsam mit dem Planer Kennzahlen, wie beispielsweise die Höhe der Energieeinsparung, festgelegt und mit uns die dafür notwendigen Maßnahmen identifiziert. Ein entsprechendes Monitoring nach erfolgter Umsetzung soll die Wirksamkeit der Maßnahmen aufzeigen und gegebenenfalls Adaptionspotenzial aufzeigen.

Welche Rolle spielen die beiden Auslandsniederlassungen der Fa. Duschek derzeit und in der Zukunft?(c)istockPhoto/amornthep

Wir haben in Kroatien und Rumänien eigenständige Tochterunternehmen, die für sich „autark“ arbeiten. In diesen Ländern erfolgte eine Spezialisierung auf den Brandschutz, da in diesem Bereich noch großer Aufholbedarf besteht. Im Wärmebereich sind vor allem Fernwärmeleitungen in Rumänien zu erwähnen, da sie entweder gänzlich unisoliert sind oder aufgrund von Aluminiumdiebstahl nur mehr eine lückenhafte Isolierung aufweisen.

Für die Auslandsniederlassungen erwarte ich mir stetiges Wachstum. Österreichisches Know-how wird gerne angenommen und hat einen hohen Stellenwert. Dadurch ist es möglich, auch Preise für qualitativ hochwertige Leistungen anzubieten, die über dem Durchschnitt liegen.

Wie sieht Ihre Mitarbeiterstruktur aus und welchen Stellenwert haben Aus- und Fortbildungen?

Derzeit haben wir in Österreich 135 Mitarbeiter, in den Auslandsniederlassungen sind es 14. Unser Ziel ist ein langsames Wachstum, angepasst an die jeweilige Auftragslage.

Aus- und Weiterbildungen spielen eine große Rolle in unserem Unternehmen. Unsere Mitarbeiter nehmen regelmäßig Produktschulungen unserer Industrien in Anspruch, da diese am nähesten an der praktischen Umsetzung orientiert sind und sehr spezifisch auf die Anwendung angepasst sind. Im Bereich des Brandschutzes werden Schulungen von Prüfanstalten oder auch vom Verband Österreichischer Dämmunternehmungen besucht, um über die neuesten Entwicklungen informiert zu sein.

Wir legen großen Wert auf die Ausbildung unserer Lehrlinge, diese stellen für uns die Mitarbeiter der Zukunft dar.

Wie wichtig sind rechtliche Rahmenbedingungen in Ihrem Tätigkeitsfeld und welche Entwicklungen erwarten Sie sich in der Zukunft?

(c)istockphoto/alex sobotkinNeben den bereits angesprochenen sicherheitstechnischen Vorgaben des Arbeitsinspektorats spielt die OIB Richtlinie 6 für die Wärmedämmung eine entscheidende Rolle, da wesentliche Vorgaben zu Dämmdicken gemacht werden. Weiterführende Richtlinien wie die neu erschienene ÖNORM H 5155 bieten darüber hinaus einen sehr praxisorientierten Zugang zum Thema Dämmung.

Im Bereich der Gebäudesanierung spielt vor allem die thermische Optimierung der Gebäudehülle eine entscheidende Rolle. Hier wäre es aus unserer Sicht sinnvoll, vermehrt die Isolierung der Haustechnik mit einzubeziehen, da auch hier großes Einsparungspotenzial vorhanden ist. Eine mögliche Umsetzungsvariante wäre die stärkere Einbindung des Rauchfangkehrers in diesem Kontext.

Wo sehen Sie die heimische Isolierbranche im internationalen Vergleich?

Österreich befindet sich definitiv im oberen Drittel. In Osteuropa wird, wie oben bereits angesprochen, österreichische Qualität sehr geschätzt. Auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern kann sich Österreich im Bereich der Isolierung problemlos messen.

Auch im Bereich der Ausbildung zeigen zahlreiche internationale Vergleiche die gute Position Österreichs.

Ing. Thomas Stangl

(c)Stangl

Geboren 1971

1985 bis 1990: HTBL Pinkafeld

seit 1991: beschäftigt bei Ing. Rudolf Duschek GmbH

seit 2003: Geschäftsführer und Miteigentümer der Ing. Rudolf Duschek GmbH

2004: Gründung der kroatischen Tochter

2011:Gründung der rumänischen Tochter

Obmann im Verband Österreichischer Dämmunternehmungen

Bundesinnungsmeister-Stellvertreter in der Bundesinnung der Bauhilfsgewerbe

Mitarbeiter in verschiedenen Normenausschüssen

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