Mag. Iris Fischl

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In diesem Teil der Experteninterviewserie wurde mit Mag. lris Fischl, Projektleiterin bei der KMU Forschung Austria gesprochen.

Die KMU Forschung Austira ist auf Sozial- und Wirtschaftsforschung mit Fokus auf KMU spezialisiert. Die Tätigkeitsbereiche sind Studien und Analysen (Situation und Entwicklung von Branchen, Wirtschaftssektoren oder auch Regionen), Evaluierungen (Projekte, Programme und Institutionen sowie Datenbanken (qualitative und quantitative Informationen zur Struktur und Entwicklung der österreichischen Wirtschaft).

Wo liegen die Hauptaufgabengebiete der KMU Forschung Austria?

Die KMU Forschung Austria ist auf sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung mit Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den folgenden Bereichen spezialisiert:

  • Studien und Analysen zur Situation und Entwicklung von Branchen, Wirtschaftssektoren oder auch Regionen bzw. in den Forschungsbereichen„ Beschäftigung und Arbeitsmarkt“, „Entrepreneurship“, „Innovation und Technologie“ sowie „Internationale Wirtschaft und Regionalstudien“.
  • Evaluierungen von Projekten, Programmen und Institutionen der Wirtschaftspolitik sowie Prozessbegleitung und Politikberatung. Zentrale Evaluierungsfelder sind die Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik, die Kooperative Forschung, die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die Klima- und Umweltpolitik sowie der Bereich Entrepreneurship.
  • Datenbanken mit qualitativen und quantitativen Informationen zur Struktur und Entwicklung der österreichischen Wirtschaft. Die Datenbestände betreffen Konjunkturdaten, Bilanzdaten, Strukturdaten sowie qualitative Brancheninformationen.

Die KMU Forschung Austria erarbeitet Entscheidungsgrundlagen, Daten und Informationen für Unternehmen und ihre Berater/innen, Institutionen der Wirtschaftspolitik und -förderung sowie Universitäten, Fachhochschulen und andere Forschungseinrichtungen.

Was sind die wesentlichen Erkenntnisse der KMU-Forschung aus dem Umweltbereich?

(c)iStockphoto_KohlerphotoÖsterreich ist im Bereich der Umwelttechnik gut aufgestellt. Trotz der globalen Finanzkrise weist die Branche ein kontinuierliches Wachstum auf, was unter anderem auf die anhaltend steigende Bedeutung erneuerbarer Energien und Energieträger zurückzuführen ist. Wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen KMU insgesamt ist die Erreichung von sogenannten Spill-over Effekten, d.h. die Anwendung von modernen Umwelttechnologien einerseits und zunehmende Orientierung an den Prinzipien des ökologischen Wirtschaftens andererseits. Dazu ist es insbesondere wichtig, neben der Förderung von Forschung und Technologien in diesem Bereich auch unterstützende Beratungsleistungen vor allem für KMU in Medium- und Low-Tech-Sektoren anzubieten.

Welche Unterstützung benötigen junge KMU bzw. Start ups der österreichischen Umwelttechnikbranche, um sich am Markt etablieren zu können?

Gerade junge KMU benötigen oft neben der klassischen projektbasierten Forschungs- und Technologieförderung – quasi als Katalysator – unterstützende Beratungsangebote unterschiedlicher Art um beispielsweise dadurch auch Informationen und Zugang zu weiteren Fördermitteln zu bekommen, aber auch um die eigene Informationsbasis, etwa über relevante Märkte und Kunden bzw. Multiplikatoren, zu verbessern. Grundsätzlich sind ausreichend Unterstützungsangebote verfügbar, allerdings gilt es zukünftig verstärkt darauf zu achten, Synergiepotenziale im Rahmen der unterschiedlichen Fördermaßnahmen optimal zu nutzen. Darüber hinaus ist es besonders wichtig die jeweiligen „Randbereiche“ der Technologieentwicklung zu adressieren, etwa die Technologiediffusion und -vermarktung.

Welche Vorteile und Nachteile sehen Sie in der KMU-Struktur der österreichischen Unternehmenslandschaft, vor allem im Zusammenhang mit Innovation?

KMU sind aufgrund ihrer geringeren Organisationsgröße und -komplexität oft besser in der Lage, neue Innovationen sowohl hervorzubringen als auch zu nutzen, d.h. sie sind dynamischer, flexibler, schneller und müssen weniger interne Hürden bewältigen. Allerdings haben sie im Vergleich zu größeren Unternehmen stärker mit eingeschränkten Ressourcen zu kämpfen, d.h. Innovationsprojekte sind finanziell risikoreicher bzw. fehlen KMU die notwendigen Ressourcen zu deren Durchführung. Weiterhin sind KMU deutlich abhängiger vom direkten return-on-investment, d.h. ein ökonomisches Scheitern eines einzelnen Projekts kann ein gesamtes Unternehmen gefährden. Für die österreichische Unternehmenslandschaft insgesamt bedeutet die KMU-Dominanz vor allem, dass ein erhebliches Potenzial für Innovationen existiert, aber nicht ohne das entsprechende Unterstützungsangebot (z.B. Ko-Finanzierung von Forschungs- und Innovationprojekten) genutzt werden kann.

In welchen Teilbereichen der Umwelttechnik sehen Sie das größte Entwicklungspotenzial heimischer KMU?

Aufgrund der starken Exportabhängigkeit Österreichs, die auch für die Umwelttechnologiebranche zutrifft, sind wesentliche Entwicklungspotenziale von der ausländischen Nachfrage abhängig. Von den Unternehmen werden weiterhin die regulatorischen Rahmenbedingungen als entscheidende Faktoren für die Entwicklungschancen wahrgenommen. In Kombination mit den österreichischen Stärkefeldern ergeben sich die folgenden Teilbereiche als besonders bedeutend hinsichtlich Umsatz und Beschäftigungsentwicklung: Kraft-Wärme-Kopplung, energieeffiziente Technologien und erneuerbare Energie (z.B. Photovoltaik, Biogas).

(c)istockphoto/Iuliya_Sunagatova

Wie sehen Sie die österreichischen KMU im internationalen Vergleich?

Bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist zunächst festzuhalten, dass eine andauernde Internationalisierung der Unternehmen zu verzeichnen ist. Weiterhin mussten auch österreichische KMU in den Jahren 2009-2011 Einbußen hinsichtlich ihrer Marktanteile verzeichnen und lagen damit im internationalen Gesamttrend. Allerdings ist die asiatische Konkurrenz, d.h. insbesondere China und Südkorea, gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen. Österreichs Umwelttechnikbranche ist nichtsdestotrotz als konkurrenzfähig zu betrachten. Allerdings gibt es eine Reihe von Staaten, deren Umwelttechnikunternehmen über größere komparative Vorteile verfügen (z.B. Dänemark, Deutschland). Österreichs relative Wettbewerbsposition ist als gut zu bezeichnen, aber es ist eine leicht abnehmende Tendenz in den letzten Jahren zu beobachten.

Mit welchen Herausforderungen werden KMU in den nächsten Jahren konfrontiert werden und welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?

Kurz- bis mittelfristig ist die größte Herausforderung für Österreichs Umwelttechnik-KMUs mit Sicherheit die verlangsamte und unsichere global-ökonomische Entwicklung und die damit einhergehend abnehmende Investitionsintensität. Da die Wachstumsprognosen insbesondere für nicht europäische Märkte optimistischer sind, müssen österreichische Unternehmen verstärkt auch dort aktiv werden. Im Hinblick auf die allgemein nach wie vor hohen Wachstumspotenziale in diesem Bereich wird sich die Konkurrenzsituation international eher noch verschärfen, d.h. technologischer Vorsprung wird mehr und mehr unverzichtbar auch für österreichische KMU. Damit geht ein erhöhter Bedarf an kontinuierlicher Investition in Forschung und Entwicklung einher, der wiederum das ökonomische Risiko und die Relevanz staatlicher Unterstützungsleistungen erhöht. Aufgrund der weiterhin zunehmenden Bedeutung internationaler Märkte sind auch die dortigen Rahmenbedingungen sowie deren Kenntnis zentrale Herausforderungen. KMU müssen ihre Exporttätigkeiten verstärkt durch begleitende Maßnahmen unterstützen, etwa durch Unternehmenskooperationen und die Teilnahme an Messen.

Mag. Iris Fischl

 

(c) Fischl

diplomierte Politologin

Projektleiterin bei der KMU Forschung Austria im Bereich Evaluierung mit dem Schwerpunkt Innovation und Technologie

Evaluierungen von Fördermaßnahmen und Studien im Bereich Forschung, Technologie und Innovation (FTI)

Sprecherin des Arbeitskreises Evaluierung von FTI-Politik der Deutschen Gesellschaft für Evaluation (DeGEval)

Mitglied der der Plattform für Forschungs- und Technologieevaluierung (fteval).

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