Martin Steininger

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In diesem Teil der Experteninterviewserie wurde mit Herrn Martin Steininger, Vorstand der Windkraft Simonsfeld, gesprochen.

Die Windkraft Simonsfeld ist einer der größten Windstromproduzent in Österreich, sie betreibt 60 Windkraftwerke in Österreich sowie zwei Anlagen in Bulgarien. Es werden Wind- und Solarkraftwerke in Österreich sowie in Mittel- und Südosteuropa entwickelt und betrieben. Das Unternehmen wurde 1996 gegründet und hat seinen Firmensitz in Simonsfeld, NÖ.


Wie beurteilen Sie den Status der Windkraft in Österreich im internationalen Vergleich?

In Österreich wird Windkraft derzeit massiv ausgebaut. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die installierte Windkraftwerksleistung bis 2020 zu verdreifachen. 2012 wurden so viele Windkraftwerke in Österreich neu installiert wie noch nie. Dieser Trend wird sicher noch einige Jahre anhalten. Die Ausbauziele, die man sich für  Windkraft gesetzt hat, werden wahrscheinlich früher als geplant erreicht.   Derzeit werden sehr viele Projekte von der heimischen Windkraftbranche mit Hochdruck vorangetrieben – die Windkraft Simonsfeld AG hat derzeit 33 Windkraftwerke in Bewilligungsverfahren. In den kommenden Jahren wollen wir mit diesen Kraftwerken unsere Jahresproduktion verdoppeln.

Neben Österreich ist die Windkraft Simonsfeld in Bulgarien und Rumänien mit einem realisierten und mehreren geplanten Projekten aktiv. In Rumänien haben wir alle Bewilligungen zur Errichtung von  28 Windkraftwerken. In Bulgarien betrieben wir bereits zwei Windkraftwerke und treiben die Bewilligung für 19 weitere im selben Gebiet voran.


Sehen Sie eine Obergrenze bei den verfügbaren, wirtschaftlich zu betreibenden Standorten in Österreich?

Die besten Windkraftstandorte Österreichs sind bereits zur Stromproduktion genutzt. Die neue, größere Anlagengeneration die nun auf den Markt drängt, ermöglicht auch die Nutzung von weniger guten Standorten. Im Weinviertel werden die Netzzugänge in absehbarer Zukunft einen Engpass darstellen. Es gibt derzeit deutlich mehr geplante Windenergie – Anlagen als Einspeisemöglichkeiten in unserer Kernregion. Das wird zur Herausforderung für alle Projektentwickler. Der Ausbau wird sich im Weinviertel daher in zwei bis drei Jahren abbremsen.


Wie beurteilen Sie den Stand der Technik in der Windkraft, sind wesentliche Entwicklungsschritte erwartbar?

(c) Windkraft Simonsfeld AGDerzeit erfolgt der Umstieg von 2-MW-Windkraftanlagen (WKA) auf 3-MW Anlagen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. 3-MW Anlagen werden sich als Standardgröße etablieren. Größere Anlagen werden sich meiner Meinung nach in der Breite nicht durchsetzen. Entwicklungen sind noch bei der Flügellänge und im Getriebebereich zu erwarten.


Wo sehen Sie die österreichische Windkraft-Branche im internationalen Vergleich?

In Österreich gibt es einige Firmen, die international gut im Geschäft sind. Der Fokus liegt auf der Zulieferindustrie, beispielsweise im Bereich der Steuerungstechnik oder Flügelkomponenten. Da sind österreichische Unternehmen im internationalen Spitzenfeld zu finden.

Die Herausforderung für die  Anlagenbetreiber in den nächsten Jahren wird die Vermarktung  von Windstrom sein. Es wird in Zukunft einige Anlagen geben, die keinen Fördertarif mehr lukrieren können. Ein wirtschaftlicher Betrieb zu den gegebenen Marktpreisen wird ein großes Thema werden. Es müssen sich die Betreiber entscheiden, ob alte Anlagen weiter betrieben werden oder ob diese Windparks abgebaut und am selben Standort  neue Anlagen aufgebaut werden. Im zweiteren Fall kommen höhere und effizientere Maschinen ans Netz. Leistung und Stromproduktion können so an vielen Standorten beträchtlich gesteigert werden.  


Welche Entwicklungen erwarten Sie sich seitens der EU im Bereich der Windkraft?

Es wird sich in den nächsten Jahren entscheiden, ob die „Energiewende“ und erneuerbare Energieträger den Durchbruch schaffen oder ob man knapp vor dem Ziel scheitert.  Viele fossile Kraftwerke werden unter den neuen Voraussetzungen einfach nicht mehr  wirtschaftlich sein. Ich denke, dass das in den nächsten Jahren  Photovoltaik im Bausektor zum Standard wird.  Windkraft wird eine entscheidende Rolle für die Energiewende spielen – in Europa und weltweit.


Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Errichtung von Windkraftanlagen in Österreich?

Ohne Förderungen ist es bei den  derzeitigen, niedrigen  Preisen an den Stommärkten kaum möglich, WKAs wirtschaftlich zu betreiben. Die Produktivität von WKA steigt zwar kontinuierlich, bei den Gestehungskosten sind allerdings keine wesentlichen Veränderungen erwartbar. Auf absehbare Zukunft gehen wir daher davon aus, dass Windkraft nur dort stark ausgebaut wird, wo attraktive energiepolitische Rahmenbedingungen bestehen.


Woran wird im Bereich der Windkraft derzeit geforscht?

(c) Windkraft Simonsfeld AG

Herstellerseitig wird versucht, WKA größer und leichter zu machen sowie den Materialeinsatz zu minimieren. Weiters wird an der Optimierung der Netzverträglichkeit gearbeitet, sodass nicht gleich bei einer Netzstörung das gesamte Windrad abgeschalten werden muss.

Für Betreiber ist es wichtig, Prozesse (Überwachung, Leistungskurven etc.) zu optimieren um dadurch Ertragssteigerungen erreichen zu können. Weiters wird über eine Zustandskontrolle (Diagnose von Maschinenzuständen) die Stillstandszeit der Anlage für Servicezwecke minimiert. In diesem Zusammenhang haben wir ein Forschungsprojekt mit der TU Wien laufen. Langfristiges Ziel muss es sein, dass das Service der Windkraftanlage ähnlich standardisiert abläuft wie das Routineservice eines Autos.


Welche Innovationen sind in den nächsten Jahren auf dem Gebiet der Windenergie zu erwarten?

Innovationssprünge, so wie sie beispielsweise in der PV auftreten, sind in der Windkraft nicht absehbar. Im Getriebebereich kann es in den nächsten Jahren zu Innovationen kommen, beispielsweise in Richtung getriebelose Antriebsstränge.

Weiters wird die Speicherthematik immer wichtiger. Sollten sich Möglichkeiten etablieren, mit denen der Windstrom effizient und verlustarm direkt im Windpark gespeichert werden kann, würde das die Windkraftnutzung sehr positiv beeinflussen. Ein mögliches Konzept ist die Umwandlung der Windenergie in Wasserstoff.


Welche Rolle spielt die Photovoltaik derzeit bei der Windkraft Simonsfeld?

Die Photovoltaik stellt für die Windkraft Simonsfeld derzeit vor allem eine Begleitmaßnahme dar. In Gegenden, in denen wir mit Windkraft aktiv sind, bieten wir den Gemeinden auch das Errichten von Photovoltaikanlagen an. Es wird derzeit seitens der Windkraft Simonsfeld nicht angestrebt, dieses Geschäftsfeld umfassend auszubauen.


Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft der Windkraft Simonsfeld AG? Welche Ziele haben Sie sich für welchen Zeithorizont gesetzt?

Generell wird die Finanzierung zukünftiger Projekte die größte Herausforderung in den nächsten Jahren sein. Die Windkraft Simonsfeld will in den nächsten Jahren die installierte Leistung verdoppeln. Dabei wird es eine Herausforderung sein, das notwendige Kapital durch Bürgerbeteiligung zu akquirieren da beträchtliche Summen im Spiel sind. Eine Bankenfinanzierung gestaltet sich zunehmend schwieriger, da viele Institute bereits große Summen in die Windkraft investiert haben und im Sinne der Risikostreuung vorsichtiger werden. Andererseits ist die Lage aufgrund der Wirtschaftskrise generell angespannt und viele Anleger suchen sinnvolle und attraktive Veranlagungsmöglichkeiten. Mit unseren  außerbörslichen Aktien nutzen Investoren die Möglichkeit, sich direkt an einem Windstromproduzenten in einer attraktiven Wachstumsphase zu beteiligen. Im Vorjahr  haben wir erste, sehr positive Erfahrungen als Emittenten einer Anleihe gemacht. Unsere Anleihe war trotz Aufstockung des Volumens in kürzester Zeit überzeichnet. Wir planen auch die nächsten Projekte zum Teil wieder über Anleihen zu finanzieren.  

 

Martin Steininger

(c) Windkraft Simonsfeld

Lehre als Elektriker

Angestellter der Maschinenbaufirma Heid AG in Stockerau

Nebenerwerbs-Landwirt mit 40 Hektar Ackerland

1996: Gründung der Windkraft Simonsfeld GmbH & Co KG

1998: Inbetriebnahme von zwei Windkraftwerken in Simonsfeld

Aufsichtsratsvorsitzender der WEB Windenergie AG von 1999 bis 2005

2009: Vorstand Windkraft Simonsfeld AG

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